Wir wollen Euch regelmäßig eine Auswahl von Nachrichten zu politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen vorstellen und eine eigene Einschätzung am Ende geben.

Heute geht es vor allem um das Gesundheitswesen und den Einzelhandel:

Thüringen und Jena
Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten mit einem schweren Krankheitsverlauf ist in Thüringen gestern auf zehn gestiegen. 210 Menschen gelten dagegen als wieder genesen.
Beschäftigte des Universitätsklinikums Jena (UKJ) haben am 15. März einen offenen Brief an die Leitung des Klinikums geschrieben. Darin kritisieren sie ihre Arbeitsbedingungen in der medizinischen Versorgung: Personalmangel und Überstunden führen zu einer hohen psychischen und körperlichen Belastung.
An vielen Orten gibt es Probleme bei der Beschaffung von Schutzausrüstung. So beschwert sich zum Beispiel eine Landrätin aus dem Ilm-Kreis über überteuerte Preise.
Eine deutsche Firma verlangte für ihr Angebot mehr als das Doppelte des üblichen Preises.


BRD
PolitikerInnen und viele andere Menschen danken jetzt Beschäftigten im Gesundheitswesen und im Einzelhandel in Reden, Interviews, den sozialen Medien und durch Applaus auf den Balkonen.
Viele Beschäftigte fordern währenddessen besseren Gesundheitsschutz an ihren Arbeitsplätzen, höhere Löhne und mehr Personal – auch nach der Krise.
Die Bundesregierung erlässt eine Ausnahmeregelung zum Arbeitszeitgesetz. Dadurch werden längere Arbeitszeiten und mehr Arbeit am Wochenende möglich. Die Gewerkschaft Ver.di kritisiert diese Entscheidung, weil die Belastung für Beschäftigte in der Pflege und im Einzelhandel gerade schon extrem hoch ist.
Ein Beschäftigter aus dem Einzelhandel berichtet zum Beispiel, dass er und seine
KollegInnen sechs Tage am Stück arbeiten, 47 Stunden die Woche.


International
In Italien und Spanien macht Gesundheitspersonal inzwischen 10 bis 15 Prozent der Corona-Infektionen aus. Die ÄrztInnen und PflegerInnen müssen meist trotz Ihrer Erkrankung weiterarbeiten. Die Krankenhäuser sind komplett überlastet und es herrscht auch dort schwerer Ausrüstungs- und Personalmangel.


Unsere Einschätzung – Für ein öffentliches Gesundheitswesen in und nach der Krise!


In der jetzigen Corona-Krise zeigen sich die Folgen der Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen der letzten Jahre ganz besonders. PflegerInnen beklagen schon seit langem Personalmangel und geringe Bezahlung. Hoher Zeitdruck macht gute Pflege unmöglich.
Grund dafür ist, dass in der Gesundheitsversorgung nach wirtschaftlichen Gewinnen gestrebt wird. Ein Krankenhaus soll im besten Fall noch Geld abwerfen. Staatliche Investitionen fehlen dagegen. Darunter leiden Angestellte und PatientInnen. In der jetzigen Krise spitzt sich dieses Problem weiter zu.
Die PolitikerInnen sparen zwar nicht mit Dank für die sogenannten „versorgungsrelevanten“ Berufe in Kliniken und im Einzelhandel. Taten folgen bisher jedoch keine. Indem die Bundesregierung das Arbeitszeitgesetzes vorübergehen lockert, erhöht sie stattdessen die Belastung für die Beschäftigten. Viele Beschäftigte fürchten außerdem eine eigene Infektion.
Pflege und Einzelhandel stellen zur Zeit ihre Notwendigkeit für das gesellschaftliche Leben unter Beweis. In diesen Berufen arbeiten überwiegend Frauen. Laut Bundesagentur für Arbeit sind circa dreiviertel der Angestellten dort weiblich. Die Bedingungen in diesen Berufen sind oft schlecht. Es überwiegen niedrige Löhne, fehlende Tarifbindung, Schichtdienst und Wochenend-Arbeit.
Es ist Zeit diese Berufe gesellschaftlich neu zu bewerten. Und das muss auch zu wirklichen Verbesserungen für die Beschäftigten führen! Als Gesellschaft müssen wir uns die Frage stellen, warum im 21. Jahrhundert immer noch in vielen „Frauenberufen“ schlechtere Bedingungen herrschen.
Nach der Krise brauchen die Beschäftigten die Solidarität derer, die jetzt auf den Balkonen stehen und abends applaudieren. Um mit Ihnen auf die Straße zu gehen und in den solidarischen Streik zu treten!


Der Frauen*streik Jena ruft schon jetzt zu einer Online-Demonstration für besseren Arbeitsschutz und bessere Arbeitsbedingungen im Uniklinikum Jena auf:
https://www.facebook.com/frauen.streik.jena/
Die Demo findet am Mittwoch, den 01. April von 14.00 – 18.00 Uhr statt.
Demonstriert in euren Wohnzimmern, Hinterhöfen, Balkonen, Garageneinfahrten etc. Filmt das Ganze (5 Sekunden -1 Minute) und schickt es bis 19.00 Uhr an: frauen_streik-jena@riseup.net oder per telegram an: 0157 31929771