Aufgrund einer Sanierung und Schädlingsbekämpfung drängt Jenawohnen die Mieterinnen und Mieter der Schlegelstraße 3 zum Auszug und verhindert ihren anschließenden Rückzug.

In dem Wohnblock ziehen seit einigen Monaten die Mieterinnen und Mieter unter Druck durch Jenawohnen aus ihren Wohnungen aus. Als Grund werden vonseiten des Unternehmens eine nötige Sanierung und die Beseitigung eines Speckkäferbefalls genannt. Die ersten Maßnahmen zur Bekämpfung der Käfer wurden laut Mieter:innen bereits vor ca. 11 Monaten beendet. Die Mieterinnen und Mieter gingen davon aus, dass die Schädlingsbekämpfung abgeschlossen war und allenfalls in unbestimmter Zukunft die Sanierung der Versorgungsschächte anstehen würden – aber nicht ein Auszug aus der Wohnung!

Nun wird den zum Auszug Gedrängten in persönlichen Gesprächen suggeriert, sie könnten nach der Sanierung nicht in ihre Wohnungen zurück. Diese kündigen daraufhin ihren Mietvertrag und erhalten teilweise unangemessene Wohnungen als Ersatz angeboten. Dagegen regt sich jetzt Protest im Haus.
„Wie mit den Menschen hier im Haus umgegangen wird, verstößt gegen die Menschenwürde,“ so einige Mieter, die aus Angst nicht namentlich genannt werden möchten.

„Zum Beispiel ist der Flur im vierten Stock seit August 2020 im Rohbauzustand, Kabel hängen überall heraus und auch der Hausmeister kümmert sich um nichts mehr. Hier wird klar die Fürsorgepflicht verletzt!“

mieter, die aus angst anonym bleiben möchten
Flur im Rohbauzustand, Kabel hängen heraus

Auch andere Beispiele zeichnen ein Bild von dem Umgang mit den Mieterinnen und Mietern, die nicht ausziehen wollen. Die Dekoration im Haus wurde abgehängt, die Reinigung eingeschränkt und die Pflege des Hauses außen eingestellt. Außerdem werden bei der Käferbehandlung Möbel und persönliches Eigentum der Mieterinnen und Mieter eingedampft, wer sich dem widersetzt, dem wird gedroht keine neue Wohnung zu erhalten.

„Bei vielen Nachbarn führt diese unerträgliche Situation zu dauerhaften Schäden. Einige mussten schon in psychische Behandlung und vor allem die alten Mieterinnen und Mieter im Haus leiden besonders. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht und wenn man die jetzt aus ihrem sozialen Umfeld herausreißt, vereinsamen sie doch.“, so ein anderer Mieter, der ebenfalls anonym bleiben möchte.

Ein Projekt um Mieten zu erhöhen

Aus Sicht der Bürgerinitiative für Soziales Wohnen, die die Hausgemeinschaft in der Schlegelstraße 3 unterstützt, findet hier eine Entmietung statt. „Für uns reiht sich das in eine Reihe von Projekten ein, bei denen jenawohnen versucht, alte Mieter aus ihren Häusern rauszubekommen, um dort später mehr Miete verlangen zu können – wie zum Beispiel am Allendeplatz oder der Ziegesarstraße.“, so Lorenz Grischek von der Bürgerinitiative für Soziales Wohnen. „Das kann bei einem kommunalen Unternehmen wie jenawohnen einfach nicht sein. Und die Mieter wehren sich zurecht dagegen.“

Die Forderungen an jenawohnen sind klar: alle Mieterinnen und Mieter sollen ihre Verträge behalten können, bei Wunsch zurück ins Haus ziehen dürfen oder angemessene Wohnungen für den Umzug angeboten bekommen. Außerdem soll jenawohnen alle Dokumente zum Käferbefall und ihre eigenen Pläne offenlegen, um endlich Klarheit zu schaffen.